Manfred Börgens
Mathematik auf Briefmarken  # 65
Liste aller Briefmarken
vorige Marke      nächste Marke
zur Leitseite

Jahr der Mathematik 2008

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung hat das Wissenschaftsjahr 2008 zum Jahr der Mathematik ausgerufen. Diese Initiative will die Faszination der Mathematik einer größeren Öffentlichkeit vermitteln, insbesondere jungen Menschen.

Diese Seite und weitere Seiten (Mathematische Probleme #61-65 ,  Mathematik auf Briefmarken #62-65) wenden sich im Sinne des  Jahrs der Mathematik  besonders an Schülerinnen und Schüler, die sich für Mathematik und ihre Geschichte interessieren.


Portrait Gerbert

Frankreich 1964    Michel 1479    Scott B384



Papst Sylvester II. (Gerbert d'Aurillac, ca. 950 - 1003)

Gerbert stammte aus einer bäuerlichen Umgebung in der Auvergne, weder sein Geburtsort noch sein Geburtsdatum sind bekannt. Auf der Briefmarke wird sein Geburtsjahr mit ca. 938 angegeben, was aber wohl zu früh ist. 963 trat er in das Benediktinerkloster St. Gérauld in Aurillac ein, und schon bald erkannte man dort seine außergewöhnlichen Talente. Seine Grundausbildung bildete das Trivium, d.h. (lateinische) Grammatik, Rhetorik und Dialektik (Logik). Der spanische Graf Borrell II. besuchte 967 das Kloster und nahm Gerbert mit nach Barcelona. Im Kloster Santa Maria de Ripoll setzte er seine Studien mit dem Quadrivium fort (Geometrie, Astronomie, Arithmetik, Musik).

Gerbert pilgerte 969 mit Borrell nach Rom und wurde dort Papst Johannes XIII. und Kaiser Otto I. vorgestellt. Gerbert wurde daraufhin Lehrer von Ottos Sohn, dem späteren Otto II. Einige Jahre später wurde ihm die Leitung der Domschule von Reims anvertraut. 983 war Gerbert für kurze Zeit Abt des Klosters Bobbio und kehrte dann nach Reims zurück, wo er von 991 bis 997 als Erzbischof eingesetzt war. Er wurde Lehrer des jungen Otto III. in Aachen und Ravenna und 998 Erzbischof von Ravenna.

999 bestimmte Otto III. Gerbert als Nachfolger von Gregor V. zum Papst; er nahm den Namen Sylvester II. an. 1003 starb Sylvester während politisch unruhiger Zeiten in Rom. Sein Grab ist in der Kirche San Giovanni in Laterano.


Gerbert als Mathematiker

Gerbert zeigte schon früh Interesse und Talent für Mathematik und Naturwissenschaften. Dafür bot das christliche Abendland um die Jahrtausendwende keine günstige Umgebung; Gerbert war im wesentlichen auf die Schriften des Römers Boethius angewiesen. In Barcelona jedoch kam Gerbert in Kontakt zur arabischen Wissenschaft, da der größere Teil Spaniens in maurischer Hand war. Die Araber waren durch ihre gewaltige Expansion Erben der griechischen und persischen Mathematik geworden und pflegten die Wissenschaften in weit stärkerem Ausmaß als die christliche Welt. Manche Historiker gehen davon aus, dass Gerbert selbst nach Cordoba reiste, um von den arabischen Wissenschaftlern zu lernen. Entscheidend für die mathematische Arbeit Gerberts erwies sich das Erlernen der arabischen Zahlen mit einem Stellenwertsystem. Er erkannte die Überlegenheit dieses Zahlsystems gegenüber den römischen Zahlen und wurde zum Pionier für die Einführung der arabischen Zahlen nach Europa. Dass es noch lange dauern würde, bis sich die neuen Zahlen durchsetzten, mag man daran erkennen, dass keine einzige zeitgenössische Quelle bekannt ist, in der das Millenniumsjahr als "1000" geschrieben wurde.

In Reims  -  wo er fast 17 Jahre die Domschule leitete, bevor er Erzbischof und Papst wurde  -  erweiterte Gerbert seine Studien der Logik und wurde zu einem bewunderten Lehrer. Er widmete sich der Didaktik der arabischen Arithmetik durch die Förderung des Einsatzes des Abakus in den Klosterschulen. Er schrieb eine Reihe von Lehrbüchern und baute astronomische Instrumente. Viele seiner Schüler wurden selbst wieder bekannte Lehrer und Wissenschaftler; der berühmteste unter ihnen war der gelehrte Fulbert von Chartres.

Mathematische Werke, die Gerbert zugeschrieben werden:
Libellus de numerorum divisione
De geometria
Epistola ad Adelbodum
De sphaerae constructione
Libellus de rationali et ratione uti
Regulae de numerorum abaci rationibus
Regula de abaco computi
Liber abaci


Gerbert widmete sich auch der arabischen Astronomie und gilt als möglicher Autor einer Beschreibung des Astrolabiums, die Hermann der Lahme etwa 50 Jahre später im Kloster Reichenau am Bodensee herausgab.

Mit seinen Kenntnissen der mathematischen Prinzipien der Musik baute Gerbert in Reims eine große Orgel, deren Pfeifen harmonisch exakt abgestimmt waren und eine bis dahin unerreichte Klanggüte aufwiesen. Diese Orgel wurde durch Wasserdruck betrieben, was eine größere Ausgeglichenheit der Töne erzeugte. Oswald Spengler hielt Gerbert für den Erfinder von Pendel- und Räderuhren; dies ist aber nicht belegt. Gerberts naturwissenschaftliche Überlegenheit trug ihm den Ruf ein, ein Magier zu sein, der im Bund mit dem Teufel stehe.

Ein von Gerbert gelöstes mathematisches Problem

In Gerberts Geometriebuch findet man ein Problem, das zur damaligen Zeit als sehr schwer galt:

Ein rechtwinkliges Dreieck hat den Flächeninhalt A. Seine Hypothenuse hat die Länge c. Wie lang sind die Katheten?

Lösung



Publiziert 2008-11-03          Stand 2008-04-19


vorige Marke   |   Liste aller Briefmarken   |    nächste Marke   |          Mathematische Philatelie
Manfred Börgens   |    zur Leitseite